Die Vorsätze

Die Vorsätze

Linus und ich sitzen, an einen riesigen Kissenberg gelehnt, im Bett. Sein kleiner gewölbter Rücken lehnt an meinem Bauch. Sein Oberkörper hebt sich schnell auf und ab, er kriegt schlecht Luft. Ich streichle über sein Haar und seine glühende Stirn. Zwei Meter von uns entfernt steht mein Laptop. Gerade trottet ein Elefant durchs Bild. Linus scheint zufrieden – das erste Mal seit vielen Stunden. Das Kind ist krank. Es schläft schlecht und isst nicht. Das einzige was hilft, ist permanenter Körperkontakt mit mir oder Superpapa, Medikamente und momentan diese blöde Tierdoku.

Obwohl ich mir geschworen habe, dass mein Kind die ersten drei Jahre seines Lebens nie auf einen Bildschirm schauen wird. Aber das ist mir gerade sowas von egal!

Als Linus sechs Monate alt war, waren wir im Urlaub auf Sardinien. Wir hatten den ersten Flug mit Baby hinter uns und saßen nach etlichen Stunden – endlich – in unserem Mietauto. Es hatte wegen einer Verwechslung ewige Diskussionen am Leihwagenschalter gegeben. Am Flughafen schlief Linus friedlich. Doch nun war er wach – und das letzte worauf er Lust hatte, war im Auto zu sitzen. Aber bis zu unserem Bungalow standen uns noch zwei Stunden Fahrt bevor. Superpapa und mir klebten die Klamotten am Leib, wir waren fertig mit den Nerven. Also gab ich Linus einen blöden Keks nach dem anderen und hielt ihn damit einigermaßen bei Laune.

Obwohl ich mir geschworen hatte, dass mein Kind das erste Jahr keinen Zucker zu sich nehmen wird. Aber das war mir in dem Moment sowas von egal!

Wir stehen in der Kinderabteilung des Drogeriemarkts. Ich halte drei verschiedene Modelle eines Sonnenhuts in der Hand, während Linus das Shampooregal ausräumt. Nach einigem Nachdenken hänge ich den ersten Hut wieder an den Ständer zurück. Er ist weiß (total unpraktisch) und an der linken Seite ist eine rosa Blume festgenäht (das geht mir irgendwie zu weit). Jetzt sind noch zwei Hüte übrig: Das eine Exemplar ist neonorange (also geschlechtsneutral) aber hässlich (wirklich ausgesprochen hässlich). Der andere ist blau (sowie fast alle von Linus Sachen), hat eine hübsche Form und links oben ist ein kleines Segelboot abgedruckt. Die Entscheidung fällt auf Nummer Drei. Also wieder einmal etwas Blaues.

Obwohl ich mir vorgenommen hatte, mein Kind einigermaßen geschlechtsneutral zu kleiden.  Aber das ist mir jetzt egal!

Und eine Supermuddi bin ich trotzdem.

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