Der Streit

Der Streit

Wenn Supermama und Superpapa streiten, gibt es dafür zwei Gründe: Entweder ich habe einen Anfall von Putzwahn oder wir sind uns uneinig über die Erziehung von Klein-Linus.

Im ersten Fall sammele ich zwei Stunden, hysterisch vor mich hin fluchend, Wäsche auf, schrubbe die Waschbecken und das Klo – und bin erst wieder still, wenn Superpapa mich zwingt, mich an den Tisch zu setzen, Spaghetti Bolognese zu essen und dabei zuzusehen, wie das Kind Tisch, Hochstuhl und Boden mit Tomatensoße einbalsamiert.  Im zweiten Fall wird es komplizierter!

Superpapa sagt: „Ich möchte, dass Linus in seinem eigenen Bettchen schläft.“ Ich sage: „Ist doch schön, wenn das Kind bei uns schläft.“

Superpapa sagt: „Linus soll nur ganz selten etwas Süßes essen!“ Ich sage: „Dann kriegt das Kind halt nochmal einen Keks!“

Superpapa sagt: „Ich finde, Linus ist noch zu klein, um alleine zu rutschen. Das ist gefährlich!“ Ich sage: „Toll, das Kind kann schon alleine rutschen.“

Das sind zwar alles keine schlimmen Differenzen, führen in akkumulierter Menge aber durchaus zu regen Diskussionen. Wie viel man von seinen eigenen Eltern geprägt ist, merkt man nämlich erst, wenn man selbst ein Kind hat. Während Superpapa mit sehr strikten Regeln aufgewachsen ist, ließen meine Eltern mich – das mittlere „Sandwichkind“ – auch öfter mal selbst meine Grenzen austesten. Im Endeffekt gibt es da ja auch kein richtig und falsch, aber man sollte sich als Eltern dann halt irgendwie einig sein. Oder zumindest versuchen, sich zu einigen. Das machen wir auch.

Das eigentlich Traurige ist, dass wir uns nur über Erziehungsfragen streiten, wenn wir diese auch mitbekommen. Heißt, wenn ich mit Klein-Linus alleine bin, ist alles kein Problem. Denn der kleine Troll kann ja noch nicht sprechen und somit weiß Papa nicht, dass ich ihn fünf Mal die steile Rutsche runtersausen ließ und wir am Mittag schon wieder ein Erdbeereis verspeist haben. Andersrum genauso. Nur ist Klein-Linus dann einigermaßen verwirrt, wenn er bei Superpapa nicht mit Keks in der Hand in der Wohnung herumspazieren und überall kleine Krümelspuren hinterlassen darf. Deswegen versuchen wir uns auf Kompromisse zu einigen.

Dadurch wird dann aber die seltene Zeit der Dreisamkeit mit Meinungsverschiedenheiten überschattet. Und während Superpapa und ich noch ausdiskutieren, ob der schreiende Linus jetzt alleine auf die große Schaukel darf oder nicht, hat dieser sein Anliegen schon wieder vergessen und ist stattdessen ganz versunken am Sandburgbau der Nachbarskinder beteiligt. Auch schön. Aber ist es im nassen Sand heute nicht zu kalt?

Round and round and round it goes, where it stops nobody knows!

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