Das Restaurant

Das Restaurant

Superpapa und ich sitzen bei unserem Lieblingsitaliener. Im Hintergrund singt Adele, vor uns steht eine Kerze und ein Glas Barolo. Der Kellner gießt gerade mein Wasser ein. Es ist Datenight. Das Kind wird von Oma und Opa ins Bett gebracht. Ich habe mich in mein schwarzes Kleid gezwängt, dass ich das letzte Mal vor über einem Jahr anhatte – und da hat es irgendwie lockerer gesessen. Außerdem habe ich eine halbe Stunde damit verbracht, den Schuhschrank nach meinen Absatzstiefelletten zu durchforsten. 

Ich weiß nicht, wie lange es her ist, dass ich Schuhe mit Absatz getragen habe. Meine Füße schmerzen jedenfalls schon von den zehn Metern Weg vom Fahrradständer bis an den Restauranttisch.

Als wir endlich aufbrechen, steht die Milchflasche für meine Eltern bereit, sogar den Topf habe ich mit der vorgegebenen Menge an Wasser befüllt. Das Kind trägt eine frische Windel und Schlafanzug. Mindestens zweitausend Mal habe ich meinen Eltern eingebläut, dass sie bei jeder kleinsten Unsicherheit anrufen sollen. Ich bin nervös. Gleichzeitig freue ich mich darauf, endlich mal wieder in Ruhe Zeit mit Superpapa zu verbringen. Früher – bevor wir ein Kind hatten – waren wir oft zusammen essen und führten tolle Gespräche über uns, das Leben und den Wein.

Wenn wir jetzt zusammen im Wohnzimmer am Esstisch sitzen, unterhalten wir uns über die Wochenplanung, die Uni, den Job – und vor allem das Kind.Unsere Sätze beginnen stets mit Linus hat dies und Linus hat das. „Heute hat Linus richtig lange alleine gespielt“ und „Linus ist heute hingefallen“ oder „Linus hat heute zwei Teller Brei gegessen“.

Für unsere Datenight habe ich mir vorgenommen, nicht über den normalen Alltag zu sprechen. Ich möchte, wie früher, tiefsinnige Unterhaltungen führen, über die Dinge diskutieren, die uns darüber hinaus beschäftigen und bewegen.

Aber irgendwie will mir kein passender Gesprächsbeginn einfallen. Normalerweise hätte ich jetzt den Wein kommentiert, aber den will ich wegen des Stillens nicht einmal probieren. Immer wieder blicke ich auf mein Handy und versichere mich bei Superpapa, dass er seines wirklich auch auf laut gestellt hat. Bisher haben wir uns nur ewig darüber unterhalten, ob wir mehr Lust auf Fisch oder Fleisch, Pizza oder Nudeln haben. Verlegen nippe ich jetzt an meinem Wasserglas. Vielleicht haben wir uns einfach nicht mehr so viel zu sagen wie früher? In Gedanken frage ich mich, ob Linus sich wohl hat brav ins Bett bringen lassen und schicke meiner Mutter noch schnell eine Whatsapp-Nachricht.

Wir sind beide erleichtert, als der Kellner das Essen bringt. Jetzt haben wir wenigstens wieder ein Gesprächsthema. Nur ewig lässt sich über den Geschmack von Pizza Frutti di Mare jetzt auch nicht diskutieren. Deswegen essen wir schweigend. Als wir dann schließlich zusammen vor dem Nachtisch – einem Schokoladensoufflé – sitzen, reicht es mir und ich spreche den ersten Gedanken aus, der in meinen Kopf kommt: „Heute hat Linus echt ganze vier Mal die Windel voll gehabt.“

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